Hardangervidda — Europas größte Hochebene und Norwegens größter Nationalpark
3.422 Quadratkilometer Hochebene zwischen Oslo und Bergen, mit Europas größter Wildrentierpopulation. Wie man hinkommt, was die Bergenbahn damit zu tun hat und warum die Vidda kein Ausflugsziel für zwei Stunden ist.
Inhaltsverzeichnis
Die Hardangervidda ist die größte Hochebene Nordeuropas und mit 3.422 Quadratkilometern zugleich Norwegens größter Nationalpark. Wer von Oslo nach Bergen fährt, durchquert sie zwangsläufig — mit dem Zug, mit dem Auto über die Rv7 oder mit dem Rad. Und wer sie nur durchquert, versteht sie falsch.
Von der Straße aus sieht die Vidda nach Nichts aus: eine baumlose, leicht gewellte Fläche mit Steinen, Moos und Wasser, im Sommer braun-grün, im Winter weiß bis zum Horizont. Genau das ist der Punkt. Es gibt hier keine Aussichtspunkte im touristischen Sinn, sondern Weite. Man muss hineingehen, um etwas zu sehen.
Die Zahlen
| Fläche Nationalpark | 3.422 km² — der größte Norwegens |
| Charakter | Hochplateau, überwiegend 1.100–1.300 m |
| Wildrentiere | rund 6.000 Tiere, Europas größte Population |
| Quer durch | Bergensbanen (Bahn), Rv7 (Straße) |
| Höchster Bahnhof | Finse, 1.222 m, autofrei |
Die Wildrentierherde ist der ökologische Kern des Parks und der Grund für viele Regeln vor Ort. Während der Kalbungszeit und der Jagdsaison sind einzelne Bereiche gesperrt oder sollen gemieden werden. Die Tiere sind scheu; wer sie sehen will, braucht Fernglas und Geduld, keine Drohne.
Wie man hineinkommt
Mit der Bahn. Die Bergensbanen fährt am Nordrand über die Hochebene und erschließt Gebiete, die mit dem Auto nicht erreichbar sind. Finse ist die eindrücklichste Station: 1.222 Meter hoch, autofrei, im Winter monatelang im Schnee. Von hier startet man direkt in den Park, ohne Parkplatzsuche.
Mit dem Rad. Der Rallarvegen zwischen Haugastøl und Flåm ist mit 82 Kilometern die bekannteste Radroute Norwegens — die alte Bauarbeiterstraße der Bergenbahn. Man fährt sie klassisch in zwei bis drei Tagen, überwiegend bergab Richtung Flåm, auf grobem Schotter. Die Saison beginnt erst, wenn der Schnee weg ist, meist im Juli.
Mit dem Auto. Die Rv7 von Geilo nach Eidfjord quert die Vidda. Am Westrand liegt der Vøringsfossen, einer der bekanntesten Wasserfälle des Landes, mit ausgebauten Aussichtsplattformen direkt an der Straße. Das ist der einfachste Zugang — und der, bei dem man am wenigsten vom Park sieht.
Zu Fuß. Das Hüttennetz des norwegischen Wandervereins ist auf der Vidda dicht. Klassische Touren führen von Finse oder Haugastøl quer über die Ebene, mit Übernachtungen in bewirtschafteten oder selbstbedienten Hütten. Mehr zum System steht im Artikel über die DNT-Hütten.
Was die Vidda gefährlich macht
Die Hochebene wirkt harmlos, weil sie flach ist. Sie ist es nicht. Es gibt keinen Windschutz, keine Bäume, keine Orientierungspunkte. Bei Nebel oder Schneefall verschwinden die Konturen komplett, und die markierten Wege sind im Winter nicht sichtbar.
Zwei Regeln, die vor Ort ernst genommen werden:
- Wetterbericht vor der Tour, und zwar für die Höhenlage, nicht für den nächsten Ort im Tal. Zwischen Eidfjord am Fjord und der Vidda liegen tausend Höhenmeter und oft zehn Grad.
- Umkehren ist normal. Wer bei aufziehendem Wetter zurückgeht, hat nichts verloren. Die norwegischen Bergregeln, die Fjellvettreglene, sind hier keine Folklore, sondern die Grundlage jeder Tourenplanung.
Im Winter ist die Vidda ein Langlauf- und Skitourengebiet. Wer sich damit nicht auskennt, geht nicht allein.
Für Hauskäufer: was die Lage bedeutet
Rund um die Vidda liegen Orte, die sich stark unterscheiden. Geilo im Osten ist ein etablierter Skiort mit entsprechenden Preisen für Hütten. Eidfjord und Odda im Westen sind günstiger, weil sie von Industrie und Landwirtschaft geprägt sind statt vom Tourismus. Wer eine Hütte in Vidda-Nähe sucht, sollte auf zwei Dinge achten: ob die Zufahrt im Winter geräumt wird und ob die Straße überhaupt ganzjährig offen ist. Details dazu stehen unter Hytte kaufen in Norwegen.
Häufige Fragen
Wie groß ist die Hardangervidda?
Der Nationalpark umfasst 3.422 Quadratkilometer und ist damit der größte Norwegens. Die Hochebene insgesamt ist noch deutlich größer und gilt als größtes Hochplateau Nordeuropas.
Kann man auf der Hardangervidda Rentiere sehen?
Ja, hier lebt mit rund 6.000 Tieren Europas größte wilde Rentierpopulation. Die Tiere sind allerdings scheu und wandern über große Distanzen — für eine Sichtung braucht man Fernglas, Geduld und Glück.
Wie kommt man auf die Hardangervidda?
Mit der Bergensbanen bis Finse oder Haugastøl, mit dem Auto über die Rv7 zwischen Geilo und Eidfjord, mit dem Rad über den Rallarvegen oder zu Fuß über das Hüttennetz. Finse ist autofrei und nur mit dem Zug erreichbar.
Wann ist die beste Zeit für die Hardangervidda?
Für Wanderungen Juli bis September, wenn der Schnee weg und die Hütten bewirtschaftet sind. Der Rallarvegen ist meist ab Juli befahrbar. Im Winter ist die Vidda ein Ziel für Skitouren und Langlauf, aber nichts für Ungeübte.
Weiterführend: DNT-Hütten und Mehrtageswanderungen · Hardangerfjord Reiseführer · Jotunheimen Wanderungen · Bahnreisen in Norwegen
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