Maut in Norwegen und AutoPASS — Bompenger, Tarife 2026 und deutsches Kennzeichen
Norwegen-Maut verstehen: AutoPASS-Vertrag mit 20 % Rabatt, Tarife für Oslo und Bergen 2026, Abrechnung mit deutschem Kennzeichen und Kosten für Hausbesitzer.
Inhaltsverzeichnis
- Was Bompenger sind — und wo sie erhoben werden
- Takstgruppe 1 und 2 — und warum der Anhänger egal ist
- AutoPASS: was der Vertrag bringt
- Mit deutschem Kennzeichen: die drei Wege
- Die Tarife der großen Bomringe
- Oslo (Fjellinjen), gültig ab 1. Januar 2026
- Bergen (Ferde), gültig ab 1. Januar 2026
- Fähren zählen extra: AutoPASS for ferje
- Umweltzonen: was es in Norwegen wirklich gibt
- Was das für Hausbesitzer bedeutet
- Häufige Fragen
- Wie viel Maut zahlt man in Norwegen?
- Brauche ich AutoPASS für Norwegen als Deutscher?
- Wie wird die Maut bei einem ausländischen Kennzeichen abgerechnet?
- Zahlen Elektroautos in Norwegen Maut?
- Kostet ein Wohnwagen oder Anhänger extra Maut?
- Was passiert, wenn ich die Mautrechnung nicht bezahle?
- Wie es weitergeht
Norwegen finanziert einen großen Teil seiner Straßen über Bompenger — Mautgebühren, die automatisch beim Durchfahren erhoben werden. Es gibt keine Vignette und keine Schranke: Eine Kamera liest das Kennzeichen, die Rechnung kommt danach. Wer einen gültigen AutoPASS-Vertrag mit Brikke hat, zahlt an den meisten Stationen 20 Prozent weniger; ohne Vertrag zahlt man den vollen Preis, und mit ausländischem Kennzeichen kommt je nach Land noch eine Halterabfrage-Gebühr dazu. (Stand: September 2026. Tarife ändern sich meist zum Jahreswechsel — verbindlich sind autopass.no und die jeweilige Betreibergesellschaft.)
Für Hausbesitzer ist das keine Nebensache. Ein Haus hinter einem Mauttunnel oder innerhalb eines Bomrings kostet über die Jahre mehr als der Preisvorteil beim Kauf ausmacht. Diese Seite erklärt das System, nennt die aktuellen Tarife der beiden großen Bomringe und geht durch, was mit einem deutschen Kennzeichen konkret zu tun ist.
Was Bompenger sind — und wo sie erhoben werden
Bompenger heißt wörtlich „Schrankengeld" (von bom, Schlagbaum), auch wenn seit Jahren keine Schranke mehr steht. AutoPASS ist das dazugehörige Abrechnungssystem, betrieben von der staatlichen Straßenverwaltung Statens vegvesen.
Erhoben wird an drei Arten von Stellen:
- Bomringe um Städte. Oslo, Bergen, Trondheim, Stavanger und weitere Städte umgeben sich mit Mautpunkten, deren Einnahmen in Straßen und Nahverkehr fließen.
- Einzelne Tunnel und Brücken. Große Bauwerke werden über eine eigene Mautgesellschaft finanziert und sind nach der Refinanzierung oft wieder frei — die Svinesund-Verbindung an der schwedischen Grenze etwa ist seit dem 15. März 2021 mautfrei.
- Abschnitte von Fernstraßen, meist zur Finanzierung eines Ausbaus.
Jedes Projekt hat eine eigene Betreibergesellschaft (Fjellinjen in Oslo, Ferde im Westen, Vegamot in Trøndelag und andere), aber alle rechnen über dieselbe AutoPASS-Infrastruktur ab. Du brauchst also genau einen Vertrag, nicht zehn.
Takstgruppe 1 und 2 — und warum der Anhänger egal ist
Abgerechnet wird nach Takstgruppe:
- Takstgruppe 1: Fahrzeuge bis einschließlich 3.500 kg zulässige Gesamtmasse sowie alle PKW der Fahrzeugklasse M1 mit gültigem Vertrag.
- Takstgruppe 2: alles darüber, differenziert nach Abgasnorm (Euro VI gegenüber Euro V und älter).
Ein Punkt, der viele überrascht: Für einen Anhänger oder Wohnwagen wird kein Zuschlag erhoben. Maßgeblich ist das Zugfahrzeug. Wer mit PKW und Wohnwagen durch einen Bomring fährt, zahlt denselben Tarif wie ohne. Auf der Fähre ist das genau umgekehrt — dort zählt die Gesamtlänge des Gespanns.
AutoPASS: was der Vertrag bringt
Ein AutoPASS-Vertrag besteht aus zwei Teilen: der Brikke (dem Transponder hinter der Windschutzscheibe) und dem Vertrag mit einem Ausgeber. Was er konkret bringt:
- 20 Prozent Rabatt auf Mauttransaktionen in Takstgruppe 1 an den meisten Anlagen — laut AutoPASS für „alle Fahrzeuge mit gültigem Nutzervertrag und Brikke".
- 30 bis 100 Prozent Rabatt für Nullemissionsfahrzeuge, je nach Anlage.
- Timesregel: Mehrere Passagen desselben Fahrzeugs innerhalb von 60 Minuten werden nur einmal berechnet — es zählt der höchste Betrag.
- Månedstak: Eine Obergrenze an Passagen pro Kalendermonat. In Bergen sind es mit Vertrag 60 Passagen pro Monat und Fahrzeug; darüber hinaus ist der Monat bezahlt.
Timesregel und Månedstak gibt es nur mit gültigem Vertrag. Wer ohne fährt, zahlt jede einzelne Passage voll — auch die dritte innerhalb einer Stunde. Für Pendler ist das der eigentliche Kostenunterschied, nicht die 20 Prozent.
Pflicht ist die Brikke übrigens für Fahrzeuge über 3.500 kg zulässige Gesamtmasse, die gewerblich genutzt oder auf ein Unternehmen, den Staat, eine Fylkeskommune oder eine Kommune zugelassen sind. Privat genutzte Wohnmobile und Privatfahrzeuge sind ausgenommen — für sie ist die Brikke freiwillig, aber sie rechnet sich fast immer.
Mit deutschem Kennzeichen: die drei Wege
Hier steht im Netz viel Veraltetes. Der Stand 2026:
1. AutoPASS-Vertrag mit Brikke. Auch mit ausländischem Kennzeichen möglich, und der einzige Weg zu den 20 Prozent Rabatt. Wichtig: Am norwegischen Grenzübergang bekommt man keine Brikke für leichte Fahrzeuge bis 3.500 kg. AutoPASS weist ausdrücklich darauf hin, dass man rechtzeitig vor der Reise bestellen muss — die Brikke kommt per Post.
2. Registrierung bei Epass24 ohne Brikke. Man hinterlegt Fahrzeug und Zahlungsmittel, fährt ohne Transponder und bekommt keinen Rabatt — aber in Städten mit umweltdifferenzierten Tarifen den korrekten (also für einen Benziner günstigeren) Satz statt des Standardtarifs.
3. Gar nichts tun. Dann stellt Park Trade Europe AB über den Dienst Epass24 im Auftrag der Mautgesellschaften eine Rechnung an den im Fahrzeugregister eingetragenen Halter. Für die Halterabfrage im Ausland fallen Gebühren an — für Deutschland nennt AutoPASS 5,10 €, für Österreich bis zu 14,00 €.
Was nicht mehr stimmt: Viele deutsche Seiten nennen weiterhin Euro Parking Collection (EPC) als Inkassostelle. EPC rechnet nur noch Transaktionen ohne Brikke ab, die vor dem 1. Mai 2021 entstanden sind. Alles Neuere läuft über Epass24/ParkTrade. Wenn dich also heute eine EPC-Rechnung für eine Fahrt von letztem Sommer erreicht, ist das ein Grund, genau hinzusehen.
Die Tarife der großen Bomringe
Oslo (Fjellinjen), gültig ab 1. Januar 2026
Takstgruppe 1 (bis 3.500 kg), Beträge in NOK je Passage:
| Antrieb | Außerhalb Rushzeit | Rushzeit |
|---|---|---|
| Benzin / Plug-in-Hybrid | 38 | 47 |
| Diesel | 42 | 50 |
| Elektro | 21 | 26 |
| Elektro-Kastenwagen (N1) | 0 | 0 |
Takstgruppe 2 (über 3.500 kg): Euro 6 109 NOK außerhalb und 162 NOK in der Rushzeit, Euro 5 und älter 161 bzw. 223 NOK; Nullemission und Gas 0 NOK.
Die Rushzeit gilt werktags von 06:30 bis 09:00 und von 15:00 bis 17:00 Uhr. Kein Rushzeitzuschlag an Samstagen, Sonntagen, offiziellen Feiertagen — und im gesamten Juli. Mit AutoPASS-Vertrag kommen 20 Prozent Rabatt auf diese Beträge. Quelle: fjellinjen.no.
Bergen (Ferde), gültig ab 1. Januar 2026
Takstgruppe 1, Beträge in NOK je Passage:
| Antrieb | Mit Vertrag | Mit Vertrag, Rushzeit | Ohne Vertrag | Ohne Vertrag, Rushzeit |
|---|---|---|---|---|
| Elektro | 17,60 | 35,20 | 22,00 | 44,00 |
| Benzin / Hybrid | 25,60 | 51,20 | 32,00 | 64,00 |
| Diesel | 30,40 | 56,00 | 38,00 | 70,00 |
Rushzeit: montags bis freitags 06:30–09:00 und 14:30–16:30 Uhr. Der Bomring Bergen umfasst 29 Mautstationen. Quelle: ferde.no.
Der Vergleich zeigt, worauf es ankommt: In Bergen verdoppelt die Rushzeit den Tarif, in Oslo erhöht sie ihn um rund ein Viertel. Wer in Bergen um 09:15 statt um 08:45 losfährt, halbiert seine Mautkosten.
Fähren zählen extra: AutoPASS for ferje
Die Maut auf Norwegens Inlandsfähren läuft über ein eigenes System, das man nicht mit dem Straßen-AutoPASS verwechseln sollte:
| Bezahlweg | Rabatt |
|---|---|
| Vorauszahlungsvertrag (AutoPASS-Ferjekonto) | 40–50 % |
| Gültige AutoPASS-Brikke ohne Ferjekonto | 10 % |
| Kartenzahlung an Bord / FerryPay | 0 % |
| Keine Registrierung | 0 %, dazu 35 NOK Rechnungsgebühr per Post |
Quelle: autopassferje.no. Wer an der Westküste wohnt und regelmäßig einen Fjord quert, spart mit dem Ferjekonto mehr als mit jedem anderen Einzelposten im Autobudget. Details im Beitrag zu den Fähren in Norwegen.
Umweltzonen: was es in Norwegen wirklich gibt
Eine Umweltplakette wie in Deutschland gibt es nicht, und es gibt auch keine dauerhafte Einfahrtssperre für Diesel. Die Umweltsteuerung läuft in Norwegen über den Maut-Tarif: Diesel zahlt mehr als Benzin, Benzin mehr als Elektro, und in der Rushzeit zahlen alle mehr.
Was Kommunen zusätzlich dürfen: Bei akut schlechter Luft können sie kurzfristige Notmaßnahmen anordnen — in Bergen etwa eine Datumsregelung nach Kennzeichen. Das ist ein Ausnahmezustand von wenigen Tagen, kein Dauerregime, und es wird über Verkehrsmeldungen und Anzeigetafeln kommuniziert. Wer nur zeitweise im Land ist, wird es kaum je erleben.
Was das für Hausbesitzer bedeutet
Drei Rechnungen, die man vor dem Gebot machen sollte:
Der Weg zur Arbeit. Zwei Passagen am Tag, 22 Arbeitstage: In Oslo mit einem Diesel außerhalb der Rushzeit sind das rund 1.850 NOK im Monat vor Rabatt, in der Rushzeit rund 2.200 NOK — pro Person. Bei zwei Berufstätigen im Haushalt landet man schnell bei einem vierstelligen NOK-Betrag pro Monat. Zum Vergleich lohnt der Blick auf die Monatskarte des Nahverkehrs.
Der Weg zum Haus. Liegt dein Grundstück hinter einem Mauttunnel oder einer Mautbrücke, zahlst du bei jeder Fahrt. Bei einem Objekt auf einer angebundenen Insel summiert sich das über zwanzig Jahre zu einem eigenen Kostenblock — den kein Exposé ausweist.
Der Zweitwagen. Viele Hausbesitzer stellen ein günstiges Auto dauerhaft in Norwegen ab, statt jedes Mal das eigene mitzunehmen. Zwei Dinge dazu: Ein in Norwegen zugelassenes Fahrzeug braucht einen eigenen AutoPASS-Vertrag auf sein Kennzeichen — die Brikke ist fahrzeuggebunden, und wer sie ins falsche Auto klebt, riskiert bei einer Kontrolle ein Bußgeld. Und wer ein deutsches Fahrzeug dauerhaft in Norwegen stehen lässt, bewegt sich in einer eigenen Rechtslage; das gehört vor dem Kauf geklärt, siehe Auto nach Norwegen mitnehmen.
Häufige Fragen
Wie viel Maut zahlt man in Norwegen?
Das hängt vollständig von der Strecke ab. Eine Passage durch den Osloer Bomring kostet für einen Benziner 38 NOK außerhalb und 47 NOK in der Rushzeit (Tarife ab 1. Januar 2026), in Bergen zahlt ein Diesel ohne Vertrag bis zu 70 NOK. Mit gültigem AutoPASS-Vertrag gibt es 20 Prozent Rabatt, dazu Timesregel und Monatsobergrenze.
Brauche ich AutoPASS für Norwegen als Deutscher?
Pflicht ist es für Privatfahrzeuge nicht. Sinnvoll ist es fast immer: Ohne Vertrag zahlst du keine 20 Prozent Rabatt, keine Timesregel, keine Monatsobergrenze — und für die Halterabfrage in Deutschland eine Gebühr von 5,10 € je Vorgang. Die Brikke muss vor der Reise bestellt werden, an der Grenze gibt es keine.
Wie wird die Maut bei einem ausländischen Kennzeichen abgerechnet?
Wer sich nicht registriert, bekommt eine Rechnung per Post: Park Trade Europe AB stellt sie über den Dienst Epass24 im Auftrag der Mautgesellschaften an den eingetragenen Halter. Euro Parking Collection (EPC) ist nur noch für Transaktionen vor dem 1. Mai 2021 zuständig — auch wenn viele deutsche Ratgeber das anders schreiben.
Zahlen Elektroautos in Norwegen Maut?
Ja. Die frühere Komplettbefreiung ist Geschichte. Elektroautos zahlen einen reduzierten Satz — in Oslo 21 NOK außerhalb und 26 NOK in der Rushzeit, in Bergen 17,60 NOK mit Vertrag. Der Rabatt für Nullemissionsfahrzeuge liegt laut AutoPASS je nach Anlage zwischen 30 und 100 Prozent.
Kostet ein Wohnwagen oder Anhänger extra Maut?
Nein. Für Anhänger und Wohnwagen wird kein Mautzuschlag erhoben; maßgeblich ist die Gesamtmasse des Zugfahrzeugs. Auf der Fähre sieht es anders aus — dort entscheidet die Gesamtlänge des Gespanns über den Preis.
Was passiert, wenn ich die Mautrechnung nicht bezahle?
Es folgen Mahnungen mit Gebühren, und die Forderung wird auch grenzüberschreitend weiterverfolgt. Offene Mautrechnungen sind einer der häufigsten Gründe, warum sich Deutsche bei der nächsten Norwegenreise mit Inkassopost herumärgern. Wer regelmäßig fährt, löst das ein für alle Mal mit einem Vertrag.
Wie es weitergeht
Die Maut ist der laufende Teil. Wenn du gerade davor stehst, ein Haus in Norwegen zu kaufen, sind die einmaligen Kosten die größere Zahl: Dokumentenabgabe, Grundbuchgebühr, Finanzierung. Alles dazu steht im kompletten Kauf-Leitfaden.
Wie du überhaupt hinkommst — und welche Fähre zu deiner Region passt — steht unter Fähre nach Norwegen mit dem Auto. Und wer den Alltag hinter dem Steuer sucht, Winterreifenpflicht, Tempolimits, Elchgefahr: Autofahren in Norwegen.
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