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Leben in Norwegen

Autofahren in Norwegen — Maut, Tunnel, Fähren und was Deutsche überrascht

Norwegen hat über 1.100 mautpflichtige Strecken, die meisten Tunnel der Welt und unzählige Fähren. Was man als Autofahrer wissen muss — Bompenge, AutoPASS, Verkehrsregeln und warum ein deutsches Auto umgemeldet werden muss.

Lesezeit ~4 Min 18. Juni 2026 Redaktion
Inhaltsverzeichnis
  1. Bompenge — das norwegische Mautsystem
  2. Die langen Tunnel Norwegens
  3. Fähren — wichtiger Teil des Straßennetzes
  4. Verkehrsregeln — was anders ist als in Deutschland
  5. Deutsches Auto in Norwegen — was passiert nach 12 Monaten?
  6. Praktische Apps und Tools

Norwegen fahren ist wunderschön und kostspielig. Das Land hat mehr Tunnel pro Einwohner als jedes andere Land der Welt — viele davon mautpflichtig. Dazu kommen Fähren für Fjordüberquerungen, strenge Winterreifenpflicht und ein Mautsystem, das ohne ein OBU-Gerät teuer wird. Hier der ehrliche Leitfaden.

Bompenge — das norwegische Mautsystem

Bompenge (wörtlich: Brückengeld) ist der Begriff für alle Straßenmaut in Norwegen. Es gibt über 1.100 Mautstationen im ganzen Land — auf Stadteinfahrten, Brücken, Tunneln und Fernstraßen.

Wie funktioniert's? Fast alle Mautstationen sind inzwischen automatisiert — keine Schranken, keine Kabinen. Die Strecke wird über Nummernschildkameras erfasst. Ein Gerät (AutoPASS) im Fahrzeug kommuniziert per Funk mit der Station. Wer kein Gerät hat, zahlt den vollen Tarif über Rechnung — oder wird gar nicht eingezogen (passiert auch).

AutoPASS: Ein AutoPASS-Gerät ist ein kleiner Transponder, der an der Windschutzscheibe klebt. Man eröffnet ein Konto (autopass.no oder direkt beim Anbieter), lädt Guthaben auf, und zahlt automatisch den reduzierten Tarif. Für alle, die in Norwegen leben oder regelmäßig fahren: AutoPASS ist praktisch Pflicht — ohne es zahlt man 20 % Aufschlag auf alle Mautgebühren.

Was kostet Maut?

  • Stadteinfahrten (Oslo, Bergen, Trondheim, Stavanger): 15–50 NOK pro Durchfahrt, je nach Tageszeit (Stoßzeiten teurer)
  • Tunnelmaut: 15–150 NOK je nach Tunnel
  • Brücken: ähnlich wie Tunnel

Für Elektroautos: Bis 2023 war Maut für E-Autos kostenlos. Seitdem zahlen auch Elektroautos — aber nur 50 % des normalen Tarifs. Immer noch deutlich günstiger als Verbrenner.

Die langen Tunnel Norwegens

Norwegen hat über 1.100 Straßentunnel, darunter die längsten der Welt. Einige besondere Merkmale:

Laerdal-Tunnel (24,5 km): Der längste Straßentunnel der Welt, zwischen Laerdal und Aurland im Sognefjord. Kostenlos — der Tunnel war als Ersatz für eine gefährliche Winterstraße gebaut. Hat Beleuchtungsbuchten mit orangefarbener Berglandschaftsbeleuchtung — um Monotonie zu bekämpfen.

Ryfylke-Tunnel (14,4 km, unter dem Meer): Verbindet Stavanger mit Ryfylke, Tiefpunkt 292 Meter unter dem Meeresspiegel. Mautpflichtig.

Eiksund-Tunnel (7,7 km, unter dem Meer): Westland, verbindet Inseln. Mautpflichtig.

Tunnelfahren: Deutsche sind oft überrascht von der Länge. Im Tunnel gilt:

  • Licht einschalten (Pflicht)
  • Abstand halten (Tunnel-Fließverkehr)
  • Keine Überholung bei Gegenverkehr in engen Einspurtunneln
  • Bei Pannen: ruhig bleiben, nächste Ausweichbucht anfahren

Fähren — wichtiger Teil des Straßennetzes

In Fjord-Norwegen und im Westen sind Fähren Teil des öffentlichen Straßennetzes (riksvegferje) — keine Touristen-Option, sondern tägliche Transportinfrastruktur. Es gibt über 100 Fährenverbindungen.

Riksvegfähren:

  • Betrieben von staatlichen und regionalen Gesellschaften (Fjord1, Norled)
  • Preise sind staatlich reguliert — moderat
  • Bezahlung: bar, Karte oder über AutoPASS (Rabatt auch bei Fähren möglich)
  • Typische Überquerungszeit: 10–45 Minuten
  • Wartezeiten im Sommer: Real-Problem. An touristischen Routen (Geirangerfjord, E39 in Westland) kann man im Juli 1-2 Stunden warten. Früh fahren hilft.

Hurtigruten-ähnliche Verbindungen: Das sind keine Straßenfähren, sondern Passagierschiffe — andere Preiskategorie und Buchung.

Verkehrsregeln — was anders ist als in Deutschland

Wildtierprioritär: Elch auf der Fahrbahn ist kein seltenes Ereignis außerhalb der Städte. Bei Nacht und in Waldgebieten besonders aufpassen. Kollision mit einem Elch kann das Fahrzeug total zerstören und ist lebensgefährlich. Elchwarnschilder ernst nehmen.

Winterreifen: In Norwegen sind Winterreifen von November bis April de facto Pflicht — offiziell wenn es Schnee, Eis oder Frost gibt. Auf Gebirgsstraßen werden Fahrzeuge kontrolliert. Mit Sommerreifen im Winter: Riskiko der Umkehr an der Kontrollstelle + Bußgeld.

Geschwindigkeitslimits: Innerorts 50 km/h (wie Deutschland), Außerorts 80 km/h (langsamer als Deutschland), Autobahn 90–110 km/h. Tempoüberwachung ist dicht — Radarsäulen (trafikkmåler) stehen häufig. Bußgelder sind signifikant: 20 km/h über Limit = ca. 3.000 NOK (260 €).

Rechtsüberholen verboten: Wie in Deutschland. Norweger halten sich daran, auch auf der Autobahn.

Runden: In Kreisverkehr hat der Einfahrende Wartepflicht — wie in Deutschland. Früher gab es in Norwegen Unterschiede, jetzt gilt die europäische Regelung.

Promillegrenze: 0,2 ‰ — deutlich strenger als Deutschland (0,5 ‰). Beim ersten Vergehen ab 0,2 ‰: Bußgeld und Führerscheinentzug. Das ist ein echtes Bewusstsein bei Norwegern — auch beim "einen Bier zum Abendessen."

Deutsches Auto in Norwegen — was passiert nach 12 Monaten?

Ein Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen darf in Norwegen bis zu 12 Monate gefahren werden, ohne umgemeldet zu werden. Danach muss es entweder:

  • Umgemeldet werden (auf norwegisches Kennzeichen) — mit Zulassungssteuer und Hauptuntersuchung
  • Ausgeführt werden (zurück nach Deutschland oder in anderes EU-Land)

Die engangsavgift (Zulassungssteuer) für Benzin- und Dieselautos ist in Norwegen extrem hoch — teils 30–60 % des Fahrzeugwerts oder mehr. Das macht Verbrenner-Ummeldungen teuer. Für Elektroautos ist die Steuer deutlich niedriger.

Empfehlung: Wer langfristig in Norwegen lebt, kauft ein Elektroauto vor Ort — billiger und einfacher als Ummeldung eines deutschen Verbrenners.

Praktische Apps und Tools

  • AutoPASS: autopass.no — Konto eröffnen, Gerät bestellen
  • Ferjeavgang: norwegische Fährenfahrplan-App (iOS/Android)
  • NRPA / Vegvesen: Verkehrsmeldungen und Straßenstatus (wichtig bei Winterstürmen)
  • Maps.me / Google Maps: Navigiert Tunnel korrekt, erkennt aber nicht immer Mautkosten
  • Finn.no / Elbil.no: Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos in Norwegen

Weiterführend: [Elektroauto in Norwegen](/ratgeber/elektroauto-norwegen) · [Leben in Norwegen — Alltag und Kosten](/ratgeber/leben-in-norwegen-alltag-kosten-klima)

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