Steuern in Norwegen für Deutsche — Einkommensteuer, DBA und was sich ändert
Wer nach Norwegen zieht, muss seine Steuerpflicht neu ordnen. Norwegen hat ein anderes Steuersystem als Deutschland — einfacher in mancher Hinsicht, teurer in anderer. Das Doppelbesteuerungsabkommen, Einkommensteuer, Vermögensteuer und Skattekort erklärt.
Inhaltsverzeichnis
Wer seinen Lebensmittelpunkt von Deutschland nach Norwegen verlegt, verlässt die deutsche Steuerpflicht — und tritt in das norwegische Steuersystem ein. Das klingt einfach, hat aber Feinheiten, die man kennen sollte, bevor man zieht.
Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) Deutschland–Norwegen
Deutschland und Norwegen haben ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), das regelt, welcher Staat das Besteuerungsrecht hat — so dass Einkünfte nicht zweimal besteuert werden. Das DBA ist aus dem Jahr 1991, zuletzt aktualisiert 2013.
Kernregeln:
- Arbeitseinkommen wird dort besteuert, wo die Arbeit ausgeübt wird → wer in Norwegen arbeitet, zahlt Einkommensteuer in Norwegen
- Renten aus der deutschen Rentenversicherung (DRV): Besteuerungsrecht liegt in Deutschland, solange die Rente von Deutschland gezahlt wird (Ausnahme: bestimmte Pensionen)
- Immobilieneinkünfte (Mieteinnahmen): werden im Land der Immobilie versteuert
- Kapitalerträge (Dividenden, Zinsen): können je nach Quelle in beiden Ländern teilsteuerpflichtig sein
Praxis: Wer dauerhaft in Norwegen lebt und dort arbeitet, versteuert sein Arbeitseinkommen in Norwegen. Eine laufende Steuerpflicht in Deutschland bleibt für in Deutschland liegende Vermögenswerte (Immobilien, bestimmte Renten) oder wenn weiterhin ein Wohnsitz in Deutschland besteht.
Einkommensteuer in Norwegen — Skatteetaten
Das norwegische Steuersystem ist in einigen Punkten simpler als das deutsche:
Einkommensteuersatz 2026:
| Einkommensstufe (NOK/Jahr) | Zusatzsteuer (Trinnskatt) | |---|---| | Bis 217.400 | 0 % | | 217.401 – 306.050 | 1,7 % | | 306.051 – 697.150 | 4,0 % | | 697.151 – 942.400 | 13,6 % | | Über 942.400 | 16,6 % |
Dazu kommt ein Grundsteuersatz von 22 % auf alle Einkünfte.
Trygdeavgift (Sozialversicherungsbeitrag): 7,9 % auf Arbeitseinkommen (Arbeitnehmer-Anteil). Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich ca. 14,1 %.
Effektiver Steuersatz: Bei einem Jahresgehalt von ca. 700.000 NOK (ca. 60.000 €) zahlt man effektiv etwa 36–39 % Gesamtsteuerlast (inkl. Trygdeavgift).
Steuernummer: Alle Beschäftigten brauchen ein skattekort (Steuerkarte) — erhältlich beim Skatteetaten (skatteetaten.no) nach Folkregistrierung.
Vermögensteuer (formuesskatt)
Norwegen ist eines der wenigen OECD-Länder, das noch eine Vermögensteuer erhebt. Das ist für Deutsche ungewohnt.
Formuesskatt:
- Steuerpflichtig wird Vermögen über 1.700.000 NOK (ca. 146.000 €)
- Steuersatz: 1 % staatlich + 0,7 % kommunal = 1,7 % auf Vermögen über dem Freibetrag
- Immobilien werden mit einem Schätzwert (formuesverdi) angesetzt, der typisch 25–30 % des Marktwertes beträgt — dadurch ist die effektive Belastung auf Immobilienvermögen moderat
Praxis: Ein Haus mit Marktwert 5 Millionen NOK hat einen formuesverdi von ca. 1,25–1,5 Millionen NOK — unter dem Freibetrag. Wer aber Aktienvermögen, Bankguthaben und mehrere Immobilien hält, kommt schnell über den Freibetrag.
Steuererklärung in Norwegen
Die Steuererklärung (skattemelding) wird in Norwegen automatisch vorausgefüllt — das Skatteetaten schickt jedem Steuerpflichtigen ab April eine digitale Erklärung mit allen bekannten Einkünften, Abzügen und dem vorläufigen Steuerbescheid. Man prüft, ändert wenn nötig, und reicht bis Ende April ein.
Besonderheit für Hauseigentümer: Beim Kauf einer Immobilie wird Kaufpreis und Zeitpunkt an das Skatteetaten gemeldet. Bei späterem Verkauf berechnet das System den Gewinn automatisch. In den meisten Fällen sind Gewinne aus dem Verkauf des selbst genutzten Hauptwohnsitzes steuerfrei (nach 12 Monaten Eigennutzung). Bei Verkauf von Ferienhäusern: nach 5 Jahren Eigennutzung steuerfrei, davor steuerpflichtig.
Was sich für Deutsche ändert
Was wegfällt:
- Kirchensteuer (in Norwegen nicht bekannt in dieser Form)
- Solidaritätszuschlag (gibt es in Norwegen nicht)
- Beiträge an deutsche gesetzliche Krankenversicherung (→ wird abgemeldet)
Was neu dazukommt:
- Vermögensteuer (bei größerem Vermögen)
- Arbeitgeber zahlt höhere Sozialabgaben als in Deutschland
- Steuerpflicht für bestimmte deutsche Renten bleibt
Was bleibt:
- Deutsche Einkommensteuer auf in Deutschland erzielte Einkünfte (z.B. Mieteinnahmen aus deutschen Immobilien)
- Ggf. beschränkte Steuerpflicht in Deutschland
Faustregel für den Übergang
Beim Wegzug aus Deutschland: Abmeldung beim Einwohnermeldeamt und beim Finanzamt mitteilen. Das deutsche Finanzamt prüft beim Wegzug, ob offene Steuerpflichten bestehen. Kapitalerträge aus deutschen Depots können bei Wegzug in den meisten Fällen weiter über die Abgeltungssteuer abgewickelt werden.
Beim Ankommen in Norwegen: Folkregistrierung → Skattekort beantragen → erstmalige Steuererklärung im April des Folgejahres.
Empfehlung: Bei komplexeren Verhältnissen (mehrere Immobilien in beiden Ländern, laufende Unternehmensgewinne, deutsche Pensionen) einen Steuerberater mit DBA-Erfahrung hinzuziehen. Sowohl deutsche Steuerberater mit internationaler Erfahrung als auch norwegische revisor (Steuerberater) können helfen.
Meldung und Steuernummer für Hauskäufer
Für den Hauskauf in Norwegen selbst ist eine D-Nummer oder fødselsnummer notwendig. Die Steuerkarte (skattekort) für Arbeitnehmer ist davon separat.
Weiterführend: [Auswandern nach Norwegen](/ratgeber/auswandern-nach-norwegen) · [D-Nummer beantragen](/ratgeber/d-nummer-norwegen-beantragen) · [Steuern beim Immobilienkauf Norwegen](/ratgeber/steuern-beim-immobilienkauf-norwegen)
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