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Kaufwissen

Eiendomsskatt — Grundsteuer in Norwegen für Hausbesitzer

Nicht alle Kommunen in Norwegen erheben Grundsteuer — aber etwa 60% tun es. Die Eiendomsskatt basiert auf dem kommunalen Schätzwert, beträgt maximal 0,7% des Wertes und wird jährlich gezahlt. Was man als Hauskäufer wissen muss, wie man sie berechnet, und wie man sie anfechten kann.

Lesezeit ~3 Min 18. Juni 2026 Redaktion
Inhaltsverzeichnis
  1. Was die Eiendomsskatt ist
  2. Wie die Steuer berechnet wird
  3. Was das für Hytten (Ferienhäuser) bedeutet
  4. Wie man den kommunalen Schätzwert herausfindet
  5. Eiendomsskatt anfechten
  6. Wie und wann wird gezahlt
  7. In welchen Regionen besonders auf Eiendomsskatt achten
  8. Eiendomsskatt in der politischen Debatte

Wer in Norwegen ein Haus kauft, zahlt einmalig Kaufnebenkosten (Dokumentavgift, Tinglysing) — aber danach? Eine laufende Steuer, die viele übersehen: die Eiendomsskatt (Grundsteuer). Nicht alle Kommunen erheben sie, aber die meisten tun es.

Was die Eiendomsskatt ist

Die Eiendomsskatt ist eine kommunale Steuer auf Grundbesitz. Sie ist im Eiendomsskatteloven (Eigentumssteuergesetz) geregelt, aber die Entscheidung, ob und wie viel erhoben wird, liegt bei jeder einzelnen Kommune.

Wer erhebt sie:

Ca. 60–65% aller norwegischen Kommunen erheben Eiendomsskatt. Die restlichen Kommunen — besonders solche mit gutem Kommunalhaushalt aus Wasserkrafteinnahmen — erheben keine.

Beispiele:

  • Oslo: Hatte lange keine Eiendomsskatt, führte sie 2016 ein, wurde 2023 politisch umkämpft
  • Bergen: Erhebt Eiendomsskatt
  • Stavanger: Erhebt Eiendomsskatt
  • Viele Kommunen in Vestland und Innlandet: Keine Eiendomsskatt

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Wie die Steuer berechnet wird

Berechnungsformel:

`Steuer = Schätzwert (Takstverdi) × Promillesatz`

Schätzwert (Takstverdi):

Nicht der Marktwert — die Kommunen bestimmen einen eigenen Schätzwert, der typischerweise 25–60% des Marktwertes beträgt. Es gibt außerdem einen gesetzlichen Bunnfradrag (Freibetrag) von mindestens 500.000 NOK auf den Steuerwert für primären Wohnsitz — viele Kommunen setzen ihn höher.

Promillesatz:

  • Minimum: 1 Promille (0,1%)
  • Maximum: 7 Promille (0,7%)
  • Typisch in der Praxis: 3–5 Promille

Rechenbeispiel:

Haus Marktwert: 4.000.000 NOK Kommunaler Schätzwert (angenommen 40%): 1.600.000 NOK Bunnfradrag: −500.000 NOK Steuerbasis: 1.100.000 NOK Promillesatz: 4 Promille Jahressteuer: 4.400 NOK (~380 €)

Ein weiteres Beispiel mit 3.000.000 NOK Marktwert, 30% Schätzwert, 5 Promille, kein Bunnfradrag: 900.000 × 0,005 = 4.500 NOK/Jahr

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Was das für Hytten (Ferienhäuser) bedeutet

Hytten werden in der Regel höher besteuert als primäre Wohnsitze:

  • Kein Bunnfradrag für Fritidsbolig (Ferienhaus)
  • Promillesatz oft höher als für Primärwohnsitz
  • In beliebten Ferienregionen: besondere kommunale Interessen an Einnahmen

Typische Jahressteuern für eine Hytte:

  • 1.500.000 NOK Hytte, Schätzwert 50%, 5 Promille: 3.750 NOK/Jahr
  • 3.000.000 NOK Hytte, Schätzwert 40%, 6 Promille: 7.200 NOK/Jahr

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Wie man den kommunalen Schätzwert herausfindet

Beim Kauf:

Der aktuelle Schätzwert (Takstverdi für Eiendomsskatt) kann bei der Gemeinde erfragt werden oder ist im Tilstandsrapport manchmal erwähnt.

Online:

Viele Kommunen zeigen den Eiendomsskatt-Schätzwert im kommunalen Portal (innlogging.klient.eiendomsskatteinfo.no oder ähnlich), zugänglich mit BankID.

Beim Megler fragen:

Ein guter Immobilienmakler kennt die aktuelle Eiendomsskatt-Situation in der jeweiligen Kommune und kann die Jahreskosten schätzen.

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Eiendomsskatt anfechten

Wenn man den kommunalen Schätzwert für zu hoch hält:

1. Klage (Klage på eiendomsskattetaksten) innerhalb der gesetzlichen Frist einreichen (meist 6 Wochen nach Bescheid) 2. Eigenes Wertgutachten (Verdivurdering) beifügen 3. Klagebescheid des kommunalen Eiendomsskatteutvalget abwarten 4. Bei Ablehnung: Klageverfahren vor Tingretten möglich

Praxis:

Erfolgreiche Klagen kommen vor — besonders wenn der kommunale Schätzwert deutlich über dem Marktwert liegt. Bei veralteten kommunalen Schätzungen lohnt sich die Prüfung.

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Wie und wann wird gezahlt

Die Eiendomsskatt wird von der Kommune jährlich erhoben, meist in 2–4 Raten:

  • Erste Rate: März/April
  • Weitere Raten: Juni, September, November (je nach Kommune)

Zahlungsweise:

Rechnung (Giro) per Post oder digitaler Bescheid über Altinn/kommunales Portal.

Wer die Bescheide bekommt:

Der im Grunnboken (Grundbuch) eingetragene Eigentümer. Bei Borettslag: Die Wohnungsbaugesellschaft zahlt, anteilsmäßig umgelegt.

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In welchen Regionen besonders auf Eiendomsskatt achten

Hohe Belastung häufig bei:

  • Beliebten Fjordregionen mit teuren Hytten (Hardangerfjord-Kommunen, Sognfjord-Kommunen)
  • Großstädten: Oslo, Bergen, Stavanger, Trondheim
  • Kommunen mit angespannten Haushalten (Schulden, geringe Steuereinnahmen)

Keine oder niedrige Belastung oft bei:

  • Kommunen mit Wasserkrafteinnahmen (Eigenkapital durch Wasserkraft-Konzessionen)
  • Ländliche Kommunen in Innlandet mit starker Lokalpolitik gegen Eiendomsskatt

Vor dem Kauf prüfen:

Auf der Website der jeweiligen Kommune (under "Eiendomsskatt") findet man aktuelle Sätze und den Schätzwert des Objekts.

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Eiendomsskatt in der politischen Debatte

Die Steuer ist politisch umstritten. Die Konservative Partei (Høyre) und die Fortschrittspartei (FrP) wollen sie abschaffen oder begrenzen. Die Arbeiterpartei (Ap) und Zentrum (Sp) sehen sie als wichtige kommunale Einnahmequelle.

Kommunale Wechsel bei Gemeinderatswahlen können die Eiendomsskatt direkt beeinflussen — ein Faktor, den langfristige Eigentümer im Blick behalten sollten.

Weiterführend: [Steuern beim Immobilienkauf Norwegen](/ratgeber/steuern-beim-immobilienkauf-norwegen) · [Steuern Norwegen für Deutsche](/ratgeber/steuern-norwegen-fuer-deutsche) · [Hausversicherung Norwegen](/ratgeber/hausversicherung-norwegen) · [Hytte kaufen Norwegen](/ratgeber/hytte-kaufen-norwegen)

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